02. Warum altern wir? Zellalterung und Langlebigkeitsforschung

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Altern findet auch dort statt, wo wir es nicht sehen.

Falten und graue Haare sind sichtbar. Die Langlebigkeitsforschung betrachtet jedoch auch Vorgänge in den Zellen: die Erhaltung der DNA, die Energiegewinnung, das Recycling von Zellbestandteilen und die Kommunikation zwischen Geweben.

Was bedeutet zelluläres Altern? Warum untersuchen Forschende Telomere, seneszente Zellen oder die partielle Reprogrammierung? Und wann ist es richtig, von einem interessanten Experiment zu sprechen — statt von einer Anleitung zur Verjüngung?

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Warum altern wir, und was können wir beeinflussen?

Im Laufe des Lebens sammeln sich Schäden in unseren Zellen an. Ihre Fähigkeit, sich zu reparieren, Energie zu gewinnen und eigene Bestandteile zu erneuern, verändert sich allmählich. Diese Veränderungen hängen zusammen und können die Widerstandskraft des Körpers verringern. Gene, Umwelt und Lebensweise beeinflussen ihren Verlauf.

Einige Vorgänge und Messwerte des Alterns lassen sich beeinflussen. Bewegung, eine angemessene Ernährung, guter Schlaf, Nichtrauchen sowie die Pflege der Gefäßgesundheit und die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker sind deshalb schon heute wichtig. Das Ziel ist, Gesundheit, Kraft und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Forschung hilft uns zu verstehen, wie das gelingen kann.

1. Warum altern wir? Es ist nicht nur ein einzelner Prozess

Das wissenschaftliche Konzept Hallmarks of Aging aus dem Jahr 2023 beschreibt 12 miteinander verbundene Merkmale des Alterns. Es ist eine Übersicht über Forschungsthemen, keine Liste von zwölf Diagnosen und keine Anleitung zur Auswahl von Nahrungsergänzungsmitteln. [1]

Zentrale Bereiche nach der Übersicht Hallmarks of Aging (2023)
Bereich Was er umfasst
DNA-Schäden (genomische Instabilität) Schäden und Veränderungen der genetischen Information.
Telomerverkürzung Veränderungen der Schutzstrukturen an den Enden der Chromosomen.
Epigenetische Veränderungen Veränderungen darin, welche Gene eine Zelle stärker oder schwächer nutzt.
Schlechtere Erhaltung von Proteinen (Verlust der Proteostase) Gestörte Qualitätskontrolle von Proteinen.
Gestörtes zelluläres Recycling (Makroautophagie) Veränderungen des zellulären Recyclings.
Gestörte Nährstoffwahrnehmung Veränderungen von Signalen, die auf die Verfügbarkeit von Nährstoffen reagieren.
Mitochondriale Dysfunktion Veränderungen der Funktion der Mitochondrien.
Zelluläre Seneszenz Ein Zustand, der mit dem Stillstand der Zellteilung verbunden ist.
Erschöpfung der Stammzellen Abnahme der Fähigkeit zur Gewebeerneuerung.
Veränderte Kommunikation zwischen Zellen Störung des Signalaustauschs.
Chronische Entzündung Lang anhaltende Entzündungsprozesse.
Dysbiose Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaft und ihrer Beziehung zum Organismus.

Diese Prozesse beeinflussen sich gegenseitig. Die Veränderung eines einzelnen Markers bedeutet daher nicht automatisch, dass das Altern des gesamten Menschen verlangsamt wird.

2. DNA, Telomere und Epigenetik einfach erklärt

Illustration eines Chromosoms mit goldfarben hervorgehobenen Telomeren an den Enden
Telomere schützen die Enden der Chromosomen. Ihre Funktion ist ein Bereich der Alternsforschung. Künstlerische Illustration, keine Mikroskopaufnahme.

DNA: die Anleitung für unsere Zellen

Die DNA enthält die genetischen Informationen, nach denen Zellen arbeiten. Sie kann beschädigt werden, und Zellen verfügen über Mechanismen zur Reparatur. Mit zunehmendem Alter sammeln sich manche Schäden an. Forschende untersuchen, wie dies mit Altern und Krankheiten zusammenhängt. [6]

Telomere: die schützenden Enden der Chromosomen

Chromosomen sind Strukturen, in denen die DNA gespeichert ist. An ihren Enden liegen Telomere – schützende Abschnitte, die helfen, die genetische Information zu erhalten. Wenn dieser Schutz gestört ist, kann eine Zelle ihre Teilung einstellen oder absterben. [2]

Die Telomerlänge ist kein Countdown der verbleibenden Lebensjahre. Eine einzelne Messung zeigt nicht, wie lange jemand leben wird. Auch gilt nicht die einfache Regel, dass längere Telomere immer besser sind.

Epigenetik: wie eine Zelle ihre Gene nutzt

Zellen können ihre Arbeitsweise ändern, ohne den DNA-Code selbst zu verändern. Auch welche Gene sie stärker oder schwächer nutzen, kann sich ändern. Mit dieser Art der Steuerung beschäftigt sich die Epigenetik. Manche Veränderungen helfen Forschenden, das biologische Alter einzuschätzen und das Altern zu untersuchen. [6]

3. Was passiert, wenn eine Zelle sich nicht mehr teilt?

Illustration einer seneszenten Zelle, die Stoffe an ihre Umgebung abgibt
Eine seneszente Zelle teilt sich nicht mehr, bleibt aber aktiv und kann benachbarte Zellen beeinflussen. Künstlerische Illustration, keine Mikroskopaufnahme.

Manche Zellen hören auf, sich zu teilen, bleiben aber lebendig und aktiv. Dieser Zustand heißt zelluläre Seneszenz. Solche Zellen können Stoffe freisetzen, die ihre Umgebung beeinflussen. Forschende untersuchen, was geschieht, wenn sie sich im Gewebe ansammeln. [3]

Manchmal werden sie „Zombie-Zellen“ genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch ungenau: Sie haben auch nützliche Aufgaben, zum Beispiel bei der Wundheilung. Entscheidend ist, wo sie sich befinden und wie lange sie im Gewebe bleiben.

Senolytika sind Stoffe, die auf ihre Fähigkeit untersucht werden, bestimmte dieser Zellen zu entfernen. Forschende prüfen, wem das helfen könnte und welche Risiken bestehen. Bislang ist dies keine allgemein nachgewiesene Methode zur Verjüngung.

4. Zelluläres Recycling und Energiegewinnung

Autophagie ist ein natürlicher Recyclingprozess der Zellen. Dabei baut eine Zelle einige ihrer beschädigten oder nicht mehr benötigten Bestandteile ab und verarbeitet sie weiter. Das hilft, ihre innere Ordnung zu erhalten. Mit dem Alter kann sich dieser Vorgang verändern. [6]

Mitochondrien sind kleine Strukturen in den Zellen. Sie helfen, Energie aus Nährstoffen in eine für die Zelle nutzbare Form umzuwandeln. Außerdem wirken sie an weiteren Vorgängen mit, etwa an der Signalübertragung. Forschende untersuchen, wie sich ihre Funktion mit dem Alter verändert und wie Zellen beschädigte Mitochondrien entfernen.

Beide Prozesse sind für Zellen wichtig. Wenn sie sich im Labor beeinflussen lassen, beweist das allein jedoch noch keine Verlängerung des menschlichen Lebens.

5. Was wird weltweit erforscht?

Illustration von Forschenden bei der Arbeit mit Mikroskop und Laborproben
Alternsforschung verbindet Zellbeobachtungen, Tierversuche und Studien am Menschen. Illustrative Laborszene; sie zeigt keine bestimmte hier zitierte Studie.

Die folgenden Beispiele zeigen den Unterschied zwischen einem Tierversuch und der Prüfung einer konkreten Maßnahme am Menschen. Sie sind keine vollständige Übersicht über alle laufenden Forschungsarbeiten.

Partielle Reprogrammierung: ein Experiment an Mäusen

In einer 2022 veröffentlichten Studie untersuchten Forschende die partielle Reprogrammierung bei natürlich alternden Mäusen. Dieser experimentelle Ansatz soll manche Zelleigenschaften in einen jüngeren Zustand zurückführen, ohne dass die Zelle ihre ursprüngliche Aufgabe vollständig verliert. Die Forschenden fanden Veränderungen der Gensteuerung und der Verarbeitung von Stoffen in den Zellen, etwa in Haut und Nieren. Einige Messwerte verschoben sich in Richtung eines jüngeren Zustands. Auch die Dauer des Verfahrens spielte eine Rolle. [4]

Was bedeutet das? Die Ergebnisse helfen, das Altern von Zellen zu verstehen. Sie belegen bislang jedoch keine sichere Verjüngung beim Menschen.

Senolytika: eine randomisierte Studie bei Frauen nach der Menopause

Eine 2024 veröffentlichte Phase-2-Studie umfasste 60 Frauen nach der Menopause und untersuchte die Kombination aus Dasatinib und Quercetin. Der primäre Endpunkt — die Veränderung eines Markers für den Knochenabbau nach 20 Wochen — unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. Einige sekundäre und explorative Ergebnisse lieferten Anhaltspunkte für weitere Forschungsfragen. [5]

Grenze der Schlussfolgerung: Die Studie bestätigte weder eine allgemeine Verjüngung noch eine Verlängerung des Lebens. Das Ergebnis der Kombination lässt sich zudem nicht Quercetin allein zuschreiben. Experimentelle Arzneimittelregime sind keine Anleitung zur Selbstbehandlung.

Vier Fragen zu einer Schlagzeile über Verjüngung
Frage Warum ist die Antwort wichtig?
Wurden Zellen, Tiere oder Menschen untersucht? Das sind unterschiedliche Evidenzebenen.
Was war der primäre Endpunkt? Ein sekundärer Befund ersetzt keinen verfehlten primären Endpunkt.
Wurde ein Biomarker oder wurden Gesundheit und Funktionsfähigkeit gemessen? Ein besserer Laborwert bedeutet nicht unbedingt eine bessere Gesundheit.
Wurden auch Risiken und langfristige Wirkungen geprüft? Ein kurzes Experiment beantwortet nicht die Frage nach lebenslanger Sicherheit.

6. Lässt sich das Altern der Zellen verlangsamen?

Einige Vorgänge und Messwerte, die mit dem Altern zusammenhängen, lassen sich beeinflussen. Das zeigen auch Studien am Menschen. Wichtig ist die Unterscheidung: Hat sich ein Messergebnis verändert, oder wurden auch eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben nachgewiesen?

In der zweijährigen CALERIE-Studie führte eine geringere Kalorienaufnahme bei ausreichender Nährstoffversorgung zu einer leichten Verlangsamung eines gemessenen Wertes für das Tempo des biologischen Alterns. Die anderen verwendeten Methoden zeigten keine bedeutsame Veränderung. Eine Verlängerung des Lebens wurde nicht nachgewiesen. [7] Die Ergebnisse erklären wir ausführlicher in Artikel 01 über das biologische Alter.

Für gesundes Altern können wir schon heute etwas tun

  • Regelmäßig bewegen und die Muskelkraft erhalten.
  • Abwechslungsreich und in angemessenen Mengen essen, mit ausreichend Eiweiß, Ballaststoffen und weiteren nötigen Nährstoffen.
  • Gut schlafen und nicht rauchen.
  • Blutdruck, Blutzucker und Blutfette kontrollieren und auffällige Werte ärztlich besprechen.

Wichtig ist auch die Durchblutung, einschließlich der Mikrozirkulation – des Blutflusses durch die kleinsten Gefäße. Über diese gelangen Sauerstoff und Nährstoffe ins Gewebe. Die Gefäße und die allgemeine Gesundheit zu schützen hilft, Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit zu erhalten.

Diese Schritte im Alltag helfen, das Risiko chronischer Erkrankungen zu senken. Gleichzeitig sucht die Langlebigkeitsforschung nach weiteren Möglichkeiten, die Erneuerung und Erhaltung von Zellen zu unterstützen und die gesunden Lebensjahre zu verlängern.

Was müssen wir noch herausfinden?

  • Welche neuen Verfahren verbessern tatsächlich die Gesundheit, und wem helfen sie?
  • Wie lässt sich ihre Wirkung zuverlässig messen?
  • Wie kann man das Altern beeinflussen, ohne nützliche Zellfunktionen zu stören?
  • Wie lange hält die Wirkung an, und welche Risiken kann sie haben?

Häufig gestellte Fragen

Ist zelluläre Seneszenz dasselbe wie das Altern eines Menschen?

Nein. Sie ist einer der mit dem Altern verbundenen Prozesse. Das Altern des Organismus umfasst auch weitere Veränderungen und Wechselwirkungen zwischen Geweben.

Sind alle seneszenten Zellen schädlich?

Nein. Seneszenz hat auch nützliche Funktionen, etwa bei Entwicklung und Heilung. Entscheidend sind die Umstände, die Dauer und das Gewebe.

Kann die Telomerlänge sagen, wie lange ich leben werde?

Eine Telomermessung allein bestimmt nicht die genaue verbleibende Lebenszeit. Viele weitere Vorgänge beeinflussen ebenfalls das Altern.

Bedeutet die Aktivierung der Autophagie automatisch Verjüngung?

Nein. Man muss wissen, wie und wo der Prozess gemessen wurde und ob seine Veränderung einen nachgewiesenen Nutzen brachte. Das Wort „Aktivierung“ allein liefert dafür keinen Beleg.

Bestätigt Forschung an Mäusen eine Wirkung beim Menschen?

Nein. Sie hilft, Hypothesen zu formulieren und weitere Untersuchungen zu planen. Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen erfordern jedoch eigene Belege.

Quellen und weiterführende Literatur · 7 Quellen
  1. López-Otín C. et al. (2023). Hallmarks of aging: An expanding universe. Cell. Übersichtsartikel. Publikation.
  2. National Institute on Aging. Section for Telomere Maintenance. Informationen zur Telomerforschung. Quelle.
  3. National Institute on Aging (2021). Does cellular senescence hold secrets for healthier aging? Erläuterung des Forschungsgebiets. Quelle.
  4. Browder K. C. et al. (2022). In vivo partial reprogramming alters age-associated molecular changes during physiological aging in mice. Nature Aging. Originalstudie an Mäusen. Publikation.
  5. Farr J. N. et al. (2024). Effects of intermittent senolytic therapy on bone metabolism in postmenopausal women: a phase 2 randomized controlled trial. Nature Medicine. Originalstudie am Menschen. Publikation.
  6. Aging and aging-related diseases: from molecular mechanisms to interventions and treatments. Signal Transduction and Targeted Therapy (2022). Wissenschaftliche Übersicht. Publikation.
  7. Waziry R. et al. (2023). Effect of long-term caloric restriction on DNA methylation measures of biological aging in healthy adults from the CALERIE trial. Nature Aging. Analyse von Messwerten des biologischen Alterns in der zweijährigen CALERIE-Studie. Publikation.

Hinweis des Autors: Dieser Artikel dient der Wissensvermittlung und stellt ausgewählte Mechanismen und Forschungsarbeiten vor; er ist keine systematische Übersicht und keine individuelle medizinische Empfehlung. Er empfiehlt weder konkrete Produkte noch experimentelle Behandlungen. Neue Erkenntnisse ergänzen wir mit dem Datum der Aktualisierung.

KINGRAY AkademieMit Liebe zum Körper. Mit Respekt vor der Wissenschaft.

Ing. František Kokoš
Autor: Ing. František Kokoš

Ing. František Kokoš – Autor der KINGRAY Akademie und des KINGRAY Ratgebers

Ernährungsberater, Autor des Buches Liečba svetlom (Behandlung mit Licht; ISBN 978-80-970512-0-4) und Mitautor der Publikation BIOquant – polovodičová laserová terapia (Halbleiterlasertherapie; ISBN 978-80-970512-2-8). Seit 2008 beschäftigt er sich mit Laser- und Lichttechnologien sowie der Geräteentwicklung. Er ist im US-Patent US9731145B2 als Erfinder und beim slowakischen Gebrauchsmuster für einen Nasenapplikator SK5457Y1 als Miterfinder genannt.

Ing. František Kokoš – Ausbildung, Veröffentlichungen und Erfindungen →

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