Blutviskosität und Mikrozirkulation: Was beeinflusst den Blutfluss?
KINGRAY AKADEMIE · ARTIKEL 02
Blutviskosität und Mikrozirkulation: Was beeinflusst den Blutfluss?
Viskosität beschreibt den Fließwiderstand des Blutes. Mikrozirkulation bezeichnet den Blutfluss in den kleinsten Arteriolen, Kapillaren und Venolen.
Was bedeutet „dickes Blut“, was beeinflusst die Blutviskosität und was kann kalte Hände oder eine schlechte Durchblutung der Füße verursachen? Symptome allein oder ein Foto eines Blutstropfens können diese Fragen nicht zuverlässig beantworten.
Wie Blut durch die kleinsten Gefäße fließt, hängt von Anzahl und Verformbarkeit der Blutzellen, den Eigenschaften des Plasmas und dem Zustand der Gefäße ab. Wir erklären Hämatokrit, Viskosität, Fibrinogen und Glykation, ohne diese unterschiedlichen Begriffe zu einem einzigen Zustand namens „dickes Blut“ zusammenzufassen.
01 · Was ist Mikrozirkulation?
Das Herz kann Blut wirksam in die großen Arterien pumpen. Für die Zellen ist jedoch entscheidend, ob das Blut auch das feinste Netz kleiner Gefäße und Kapillaren erreicht. Hier spielen die Mikrozirkulation und die Fließeigenschaften des Blutes eine Rolle.

Wie leicht Blut fließt, hängt nicht allein von seiner „Dicke“ ab. Wichtige Faktoren sind Hämatokrit, Plasmaviskosität, Fibrinogen, Verformbarkeit und Aggregation roter Blutkörperchen, Flüssigkeitshaushalt, Temperatur, Strömungsbedingungen und der Zustand der Gefäße.
Wie Blut fließt
Die Hämorheologie untersucht die Verformung und das Fließen des Blutes sowie die Faktoren, die seinen Fließwiderstand bestimmen.
Fließwiderstand
Die Blutviskosität ist nicht konstant. Sie verändert sich mit der Blutzusammensetzung und den Strömungsbedingungen.
Wo Blut die Zellen versorgt
In den kleinsten Gefäßen werden Sauerstoff, Nährstoffe und Stoffwechselprodukte zwischen Blut und Gewebe ausgetauscht.
Viskosität ≠ Gerinnung
„Dickes Blut“, erhöhte Viskosität, Gerinnungsneigung und Thrombose sind unterschiedliche Begriffe.

Zur Mikrozirkulation gehören vor allem die kleinsten Arteriolen, Kapillaren und Venolen. Hier findet der Austausch zwischen Blut und Gewebe statt.
Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff zum Gewebe.
Das Blut liefert Glukose und weitere Stoffe für den Zellstoffwechsel.
Der Kreislauf verteilt Signalstoffe zwischen den Organen.
Kohlendioxid und Stoffwechselabfälle werden aus dem Gewebe abtransportiert.
Die Qualität der Mikrozirkulation hängt nicht allein von den Eigenschaften des Blutes ab. Sie wird auch beeinflusst durch Gefäßdurchmesser, Endothelfunktion, Blutdruck, Herzzeitvolumen, nervale Regulation und den aktuellen Sauerstoffbedarf des Gewebes.
02 · Schlechte Durchblutung: Auf welche Symptome sollten Sie achten?
Eine beeinträchtigte Blutversorgung oder Regulation kleiner Gefäße kann mit verschiedenen Beschwerden verbunden sein.
- kalte Hände und Füße,
- blasse, bläuliche oder fleckige Haut,
- Kribbeln oder vermindertes Gefühl,
- schwere, müde Beine,
- Muskelermüdung bei Belastung,
- langsamere Wundheilung,
- geringere Kältetoleranz,
- vorübergehende Farbveränderungen der Finger.
Ähnliche Beschwerden können auch bei Blutarmut, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Nervenschäden, niedrigem Blutdruck, Raynaud-Phänomen sowie Erkrankungen der Arterien und des Herzens auftreten.
Wadenschmerzen beim Gehen, die in Ruhe nachlassen, können mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit zusammenhängen. Wiederkehrende Beschwerden oder schlecht heilende Wunden sollten untersucht und nicht automatisch auf „dickes Blut“ zurückgeführt werden. [7]
Viskosität, Hämatokrit, Gerinnungsneigung und Thrombose beschreiben unterschiedliche Vorgänge. Diese Unterscheidung ist für das Verständnis des Artikels wesentlich.
03 · Was ist Blutrheologie und was beeinflusst die Viskosität?
Rheologie untersucht, wie sich Stoffe verformen und fließen. Bei Blut lautet der genauere Begriff Hämorheologie.
Blut ist keine einfache, homogene Flüssigkeit. Es enthält:
Seine Viskosität ist deshalb nicht unter allen Bedingungen gleich.
- Hämatokrit,
- Plasmaviskosität,
- Fibrinogen und weitere Plasmaproteine,
- Verformbarkeit roter Blutkörperchen,
- Aggregation roter Blutkörperchen,
- Strömungsbedingungen, insbesondere die Scherrate,
- Flüssigkeitshaushalt,
- Temperatur.
Blutviskosität: Werte und Einheiten
Das Ergebnis hängt davon ab, ob Vollblut, Plasma oder Serum gemessen wird und welche Methode zum Einsatz kommt. Bei Vollblut sind insbesondere Temperatur und Scherrate wichtig. Die dynamische Viskosität kann in mPa·s oder cP angegeben werden; beide Einheiten haben denselben Zahlenwert. Eine allgemeingültige „Normalzahl“ ohne Messbedingungen reicht daher nicht aus. Ergebnisse werden mit dem Referenzintervall des untersuchenden Labors verglichen. [1]
Warum verändert sich die Viskosität beim Fließen?
Ein wichtiger Faktor ist die Scherrate – der Geschwindigkeitsunterschied zwischen benachbarten Flüssigkeitsschichten im Verhältnis zu ihrem Abstand. Sie ist nicht einfach die Geschwindigkeit des Blutes im Gefäß. Bei höheren Scherraten lösen sich Erythrozytenaggregate auf, die Zellen richten sich aus und verformen sich; die scheinbare Blutviskosität nimmt meist ab. Bei niedrigen Scherraten kann die Aggregation einen größeren Einfluss haben.

04 · Hämatokrit: Zu viele oder zu wenige rote Blutkörperchen können problematisch sein
Der Hämatokrit gibt an, welchen Anteil am Blutvolumen die roten Blutkörperchen einnehmen.

Höhere Viskosität
Eine höhere Konzentration roter Blutkörperchen kann den Widerstand gegen den Blutfluss erhöhen.
Weniger Sauerstofftransport
Bei Blutarmut kann das Blut weniger viskös sein, zugleich aber weniger Sauerstoff transportieren.
Für die Gewebeversorgung ist daher nicht das Ziel, das Blut „möglichst dünn“ zu machen. Entscheidend ist ein Gleichgewicht zwischen ausreichendem Sauerstofftransport und geeigneten Strömungsbedingungen.
Was kann den Hämatokrit erhöhen?
- Flüssigkeitsmangel,
- Rauchen,
- länger anhaltender Sauerstoffmangel,
- Schlafapnoe,
- Leben oder Aufenthalt in großer Höhe,
- bestimmte Lungen- und Herzerkrankungen,
- Polyzythämie und bestimmte Störungen der Blutbildung.
05 · Warum ist die Verformbarkeit roter Blutkörperchen wichtig?
Manche Kapillaren sind enger als ein rotes Blutkörperchen. Um sie zu passieren, muss sich ein Erythrozyt verformen, strecken und anschließend wieder seine ursprüngliche Form annehmen.

- hohen Blutzucker,
- oxidativen Stress,
- Entzündungen,
- Störungen der Erythrozytenmembran,
- bestimmte Erkrankungen.
Was ist die Aggregation roter Blutkörperchen?

Bei niedrigen Scherraten können sich Erythrozyten vorübergehend zu Strukturen zusammenlagern, die an Münzstapel erinnern. Dieses Muster heißt Geldrollenbildung oder Rouleaux und ist eine Form der Erythrozytenaggregation.
Mit zunehmenden Scherkräften können sich diese Aggregate normalerweise wieder auflösen. Die Aggregation von Erythrozyten ist nicht dasselbe wie die Bildung eines Blutgerinnsels.
Dauerhaft erhöhter Blutzucker kann das Gefäßendothel und die Eigenschaften roter Blutkörperchen verändern. HbA1c ist jedoch kein Blutviskositätstest.
Ein Foto eines frischen Blutstropfens bestimmt weder einen Zahlenwert für die Viskosität noch die Verformbarkeit roter Blutkörperchen.
06 · Glykation: Wie hoher Blutzucker die Mikrozirkulation schädigen kann
Bei längerfristig erhöhten Glukosewerten kann Glukose ohne Beteiligung von Enzymen mit Proteinen reagieren. Dieser Vorgang heißt Glykation.

Im Laufe der Zeit können dabei fortgeschrittene Glykationsendprodukte – AGEs entstehen.
Glykation kann ihre Struktur und Elastizität verändern.
Die Funktion der inneren Gefäßauskleidung kann sich verschlechtern.
Ihre mechanischen Eigenschaften können sich verändern.
AGEs stehen auch mit weiteren schädlichen Zellprozessen in Verbindung.
Glykiertes Hämoglobin, HbA1c, hilft bei der Beurteilung der längerfristigen Blutzuckereinstellung. Es ist weder eine direkte Messung der Blutviskosität noch ein eigenständiger Test der Mikrozirkulation.
07 · Fibrinogen beeinflusst die Gerinnung und die Fließeigenschaften des Blutes
Fibrinogen ist ein Protein, das in der Leber gebildet wird. Bei der Gerinnung wird es in Fibrin umgewandelt, das zur Bildung des stabilen Netzes eines Blutgerinnsels beiträgt.
Es ist außerdem ein Akute-Phase-Protein, dessen Konzentration bei Entzündungen oder Gewebeverletzungen steigen kann.

- die Plasmaviskosität erhöhen,
- die Aggregation roter Blutkörperchen fördern,
- mit Entzündungsaktivität verbunden sein,
- die Strömungsbedingungen bei niedrigen Scherraten beeinflussen.
Fibrinogen ist nicht der einzige Faktor hinter dem umgangssprachlichen Begriff „dickes Blut“. Der Wert muss zusammen mit anderen Untersuchungsergebnissen beurteilt werden.
08 · Blutviskosität ist nicht dasselbe wie Blutgerinnung
Diese Begriffe werden häufig verwechselt, beschreiben jedoch unterschiedliche biologische Vorgänge.
Viskosität, Gerinnung, Thrombose und Hämatokrit: die Unterschiede
Medikamente, die auf Blutplättchen oder die Gerinnung wirken, senken nicht automatisch den Hämatokrit und beseitigen nicht jede Ursache veränderter Fließeigenschaften. Solche Medikamente sollten nicht ohne angemessenen ärztlichen Rat eingenommen werden.
09 · Was kann die Mikrozirkulation beeinträchtigen?
Zu wenig Flüssigkeit
Flüssigkeitsmangel verringert das Plasmavolumen und kann das Blut konzentrierter machen. Starkes Schwitzen, Hitze, Erbrechen, Durchfall, Alkohol und längere Zeit ohne Flüssigkeit können dabei eine Rolle spielen.
Langes Sitzen
Muskelaktivität unterstützt den Blutrückfluss aus den Gliedmaßen. Langes Sitzen oder Stehen kann zu schweren Beinen und Schwellungen führen.
Kälte
Kälte verengt vor allem oberflächennahe Blutgefäße. Die Finger können dadurch kalt und blass werden oder vorübergehend ihre Farbe verändern.
Rauchen
Nikotin verengt Gefäße, und Rauchen schädigt das Endothel. Es kann außerdem Entzündungen fördern und den Hämatokrit beeinflussen.
Hoher Blutzucker
Dauerhaft erhöhte Glukose fördert die Glykation von Proteinen, Endothelschäden und weitere Veränderungen der Mikrozirkulation bei Diabetes.
Entzündung
Entzündungen können Fibrinogen und andere Plasmaproteine erhöhen und dadurch die Plasmaviskosität und Erythrozytenaggregation verändern.
Bluthochdruck und Atherosklerose
Eine ausgeprägte Verengung einer großen Arterie vermindert die Blutmenge, die das nachgeschaltete Netz kleinerer Gefäße erreichen kann. Die Unterstützung der Mikrozirkulation allein beseitigt dieses Hindernis nicht.
Viskosität beschreibt die Eigenschaften des Blutes. Atherosklerotische Plaque entsteht dagegen in der Arterienwand und kann das Gefäßlumen verengen. Dies sind unterschiedliche Mechanismen, die den Blutfluss begrenzen können.
10 · Wie können Alltagsgewohnheiten Mikrozirkulation und Blutfluss unterstützen?
Besonders wichtig sind langfristige Maßnahmen, die Gefäßgesundheit und Stoffwechsel unterstützen.

- ausreichende Flüssigkeitszufuhr; bei einer ärztlich angeordneten Begrenzung wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung die Vorgaben beachten,
- regelmäßiges Gehen und Muskelaktivität,
- langes Sitzen unterbrechen,
- vor körperlicher Belastung allmählich aufwärmen,
- Gliedmaßen vor starker Kälte schützen,
- nicht rauchen,
- Blutdruck einstellen lassen,
- Blutzucker und Blutfette kontrollieren,
- Entzündungen und Grunderkrankungen behandeln lassen,
- ein angemessenes Körpergewicht anstreben,
- ausreichend schlafen und Schlafapnoe abklären beziehungsweise behandeln lassen.
Forschung zu lokaler Durchblutung oder zum Endothel bedeutet nicht, dass ein Lichtgerät für zu Hause „das Blut verdünnt“ oder Thrombosen behandelt.
11 · Photobiomodulation und Mikrozirkulation: Was untersucht die Forschung?
Die Forschung zur Photobiomodulation untersucht Wirkungen von rotem oder nahem infrarotem Licht auf Gewebe. Eine kleine randomisierte Studie mit 20 gesunden Freiwilligen beobachtete die lokale Mikrozirkulation der Hand nach Bestrahlung des Handgelenks. Die Reaktionen unterschieden sich je nach Wellenlänge und Ausgangstemperatur der Haut. [5]
Diese Studie belegt weder eine Senkung des Hämatokrits noch die Auflösung von Gerinnseln oder die Behandlung von Thrombosen. Die Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf ein anderes Gerät, eine Anwendung in der Nase oder den gesamten Kreislauf übertragen.
12 · Welche Untersuchungen können helfen, die Ursache zu erkennen?
Abhängig von Beschwerden und Gesundheitszustand kann ein Arzt beispielsweise Folgendes beurteilen:

Die direkte Messung der Blutviskosität gehört nicht automatisch zu einer üblichen Vorsorgeuntersuchung. Sie wird vor allem in ausgewählten klinischen Situationen eingesetzt.
Der Hämatokrit beeinflusst die Viskosität, ist aber keine direkte Messung davon. Blutbild, Blutzucker, HbA1c und Fibrinogen beantworten unterschiedliche Fragen.
13 · Wann ist sofortiges Handeln erforderlich?
- plötzlicher Schwäche oder Lähmung einer Körperseite,
- Sprachstörungen oder einem herabhängenden Mundwinkel,
- plötzlichen Brustschmerzen,
- ausgeprägter Atemnot,
- einer plötzlich kalten, blassen oder schmerzhaften Gliedmaße,
- Bewusstlosigkeit oder plötzlicher Verwirrtheit,
- plötzlichen Sehstörungen.
Rufen Sie bei diesen plötzlich auftretenden schweren Symptomen sofort 112 an. Neu auftretende Schwellung und Schmerzen in einem Bein müssen dringend ärztlich beurteilt werden. Kommen Atemnot oder Brustschmerzen hinzu, rufen Sie den Rettungsdienst.
14 · Häufig gestellte Fragen
Welche Symptome hat „dickes Blut“?
„Dickes Blut“ ist ein ungenauer Begriff, weshalb es keine einheitliche zuverlässige Symptomliste gibt. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder kalte Gliedmaßen können viele Ursachen haben. Eine erhöhte Viskosität lässt sich nicht allein anhand von Beschwerden bestätigen. Ein Arzt berücksichtigt Symptome, Blutbild und gegebenenfalls weitere Untersuchungen.
Wie lässt sich die Blutviskosität auf natürliche Weise senken?
Zunächst muss geklärt werden, worum es tatsächlich geht. Flüssigkeitsmangel, ein hoher Hämatokrit und eine Gerinnungsstörung erfordern unterschiedliche Ansätze. Ausreichendes Trinken hilft, Flüssigkeitsmangel vorzubeugen, ersetzt aber keine Behandlung einer Blut- oder Gefäßerkrankung. Beginnen Sie nicht allein wegen des Gefühls, „dickes Blut“ zu haben, mit Aspirin oder Antikoagulanzien. [6]
Welche Blutviskositätswerte sind normal?
Sie hängen von Probe, Methode und Messbedingungen ab. Die Viskosität von Vollblut verändert sich mit Scherrate und Temperatur. Maßgeblich ist das Referenzintervall auf dem Laborbefund. Weder Hämatokrit noch INR messen die Blutviskosität als Zahlenwert.
Wie kann ich die Mikrozirkulation in Füßen und Händen verbessern?
Zu allgemeinen Maßnahmen zählen regelmäßige, gesundheitlich angemessene Bewegung, Unterbrechungen beim Sitzen, Nichtrauchen und die Kontrolle von Blutdruck, Glukose und Cholesterin. Wiederkehrende Schmerzen beim Gehen, Wunden oder deutliche Farbveränderungen sollten abgeklärt werden. Eine plötzlich kalte und schmerzhafte Gliedmaße erfordert sofortige Notfallhilfe; rufen Sie 112 an.
Können Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel für die Durchblutung blutgerinnungshemmende Medikamente ersetzen?
Ersetzen Sie verordnete Medikamente nicht durch Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel. Manche Produkte wechselwirken mit gerinnungshemmenden Medikamenten und können das Blutungsrisiko erhöhen. Informieren Sie Arzt oder Apotheke über alle eingenommenen Ergänzungsmittel. Eine Wirkung auf die Gerinnung ist nicht automatisch eine Wirkung auf die Viskosität. [6]
Bedeutet eine schlechte Beindurchblutung immer eine Störung der Mikrozirkulation?
Nein. Auch eine Verengung größerer Arterien, etwa bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), kann die Blutversorgung vermindern. Ein mögliches Symptom sind Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe nachlassen. Beschwerden an den Beinen können auch venöse oder nervenbedingte Ursachen haben. [7]
Was bedeutet „dickes Blut“?
Es handelt sich um einen ungenauen Alltagsbegriff. Gemeint sein können ein erhöhter Hämatokrit, eine höhere Viskosität, erhöhte Werte bestimmter Proteine oder sogar eine erhöhte Gerinnungsneigung. Diese Zustände sind nicht identisch.
Erhöht Flüssigkeitsmangel die Blutviskosität?
Zu wenig Flüssigkeit kann das Plasmavolumen verringern und das Blut konzentrierter machen. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen sollte die Trinkmenge jedoch nach ärztlicher Empfehlung angepasst werden.
Ist ein hoher Hämatokrit gefährlich?
Seine Bedeutung hängt vom Wert und von der Ursache ab. Ein höherer Hämatokrit kann die Blutviskosität erhöhen. Der Befund muss jedoch ärztlich zusammen mit dem Blutbild und dem allgemeinen Gesundheitszustand beurteilt werden.
Ist Fibrinogen dasselbe wie „dickes Blut“?
Nein. Fibrinogen ist ein Plasmaprotein. Es kann die Plasmaviskosität und die Aggregation von Blutzellen beeinflussen, ist aber nur einer von mehreren Faktoren.
Kann Photobiomodulation das Blut verdünnen?
Es gibt keine Grundlage, ein Heimgerät zur Senkung des Hämatokrits oder zur Auflösung eines Blutgerinnsels zu empfehlen. Forschung zur lokalen Mikrozirkulation ist nicht mit einem nachgewiesenen Effekt auf die Viskosität des Vollblutes oder auf Gerinnsel gleichzusetzen.
Lässt sich die Blutviskosität unter dem Mikroskop bestimmen?
Die alleinige Betrachtung eines frischen Blutstropfens liefert keinen Zahlenwert für die Viskosität. Die Messung benötigt ein geeignetes Verfahren und festgelegte Bedingungen wie Temperatur und Scherrate.
Was ist der Unterschied zwischen Viskosität und Gerinnung?
Viskosität beschreibt den Fließwiderstand des Blutes. Gerinnung ist ein biologischer Vorgang, bei dem Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren zur Bildung eines Gerinnsels beitragen. Eine höhere Viskosität allein ist kein Nachweis einer Thrombose.
15 · Was sollten Sie sich merken?
Blutrheologie und Mikrozirkulation sind eng miteinander verbunden. Wie leicht Blut die kleinsten Gefäße passiert, wird durch Hämatokrit, Plasmaviskosität, Fibrinogen, Verformbarkeit und Aggregation der Erythrozyten, Flüssigkeitshaushalt, Temperatur und Strömungsbedingungen beeinflusst.
Dauerhaft erhöhter Blutzucker kann die Mikrozirkulation durch Proteinglykation, Endothelschäden und Veränderungen der Erythrozyteneigenschaften beeinträchtigen.
Sinnvoll ist daher nicht der pauschale Versuch, „das Blut zu verdünnen“, sondern die konkrete Ursache zu erkennen, kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren zu kontrollieren und anhaltende Beschwerden angemessen ärztlich abklären zu lassen.
Dieser Artikel dient der Wissensvermittlung. Ungeklärte Durchblutungsveränderungen, einseitige Schwellung, plötzliche Gliedmaßenschmerzen, Brustschmerzen, neurologische Symptome oder ausgeprägte Atemnot müssen fachlich beurteilt werden.
Wissenschaftliche Quellen
- [1] Nader et al. (2019): Blood Rheology: Key Parameters, Impact on Blood Flow, Role in Sickle Cell Disease and Effects of Exercise. Überblick über rheologische Mechanismen.
- [2] MedlinePlus: Hematocrit Test. Bedeutung und Interpretation des Hämatokrits.
- [3] NHS: Deep vein thrombosis (DVT). Symptome und Notwendigkeit einer raschen Abklärung.
- [4] NIDDK: The A1C Test & Diabetes. HbA1c verstehen.
- [5] Microcirculatory Response to Photobiomodulation—Why Some Respond and Others Do Not (2020). Kontrollierte Studie zur lokalen Mikrozirkulation; die Ergebnisse lassen sich nicht auf eine andere Anwendungsweise verallgemeinern.
- [6] MedlinePlus: Blood Thinners. Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer und sichere Anwendung einschließlich Wechselwirkungen.
- [7] NHLBI: Peripheral Artery Disease – Symptoms. Symptome der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.


