Nattokinase und Vitamin K2: Unterschiede, FU und Sicherheit

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Nattokinase und Vitamin K2: Unterschiede, FU und Sicherheit

Nattokinase ist ein Enzym, Vitamin K2 gehört zur Vitamin-K-Familie. Beide stehen mit dem Lebensmittel Natto in Verbindung, sind aber unterschiedliche Stoffe. Ihre Wirkungen dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Dieser Artikel erklärt FU-Einheiten, Unterschiede zwischen K1 und K2, ausgewählte Studien und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten, die die Blutgerinnung beeinflussen.

Autor: Ing. František Kokoš · Aktualisiert:

01 · Zwei unterschiedliche Stoffe

Nattokinase ist ein Enzym und damit ein Protein. Sie entsteht bei der Fermentation von Sojabohnen mit den für Natto verwendeten Bakterien. Auf einem Etikett können die Extraktmenge und die Aktivität in FU angegeben sein.

Vitamin K2 bezeichnet eine Gruppe von Menachinonen. Natto ist eine Nahrungsquelle dafür. Die Menge wird üblicherweise in µg angegeben, zusammen mit der Form, beispielsweise MK-7.

Aus dem Namen eines Nattokinasepräparats lässt sich sein K2-Gehalt nicht ableiten. Das Lebensmittel Natto und ein isolierter Extrakt können unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Quellen: NIH ODS – Vitamin K · EFSA, 2016 – NSK-SD®

02 · FU beschreibt die Enzymaktivität

FU (fibrinolytische Einheiten) beschreiben die Fähigkeit, Fibrin in einem definierten Prüfverfahren abzubauen. Fibrin ist ein Protein, das an der Bildung eines Blutgerinnsels beteiligt ist.

Milligramm geben die Masse an, FU die Aktivität. Ohne Angaben zum konkreten Rohstoff lassen sich diese Werte nicht beliebig ineinander umrechnen. Prüfen Sie, ob sich die Aktivität auf eine Kapsel, die Tagesportion oder ein Gramm Rohstoff bezieht.

Mehr FU beweisen für sich genommen keinen größeren gesundheitlichen Nutzen. Eine im Labor gemessene Enzymaktivität belegt nicht, dass eine Kapsel Blutgerinnsel im Körper sicher auflöst.

Die Aktivitätsmessung in FU ist weder eine Messung der Blutviskosität noch eine Untersuchung eines Patienten.

Quellen: EFSA, 2016 – NSK-SD®

03 · Was zeigt die Forschung – und wo liegen ihre Grenzen?

Kurosawa et al., 2015: Bei zwölf gesunden jungen Männern wurde eine einmalige Gabe von 2.000 FU mit Placebo verglichen. Einige Laborwerte der Gerinnung und des Fibrinabbaus veränderten sich, blieben aber im Normalbereich. Die Studie untersuchte weder die Vorbeugung von Herzinfarkten noch die Behandlung einer bestehenden Thrombose.

Hodis et al., 2021 – NAPS: In einer randomisierten Studie erhielten 265 Personen ohne klinische Herz-Kreislauf-Erkrankung 2.000 FU täglich oder Placebo. Die mediane Nachbeobachtung betrug drei Jahre. Bei den untersuchten Markern der subklinischen Atherosklerose, beim Blutdruck und bei den Laborwerten ergab sich kein signifikanter Vorteil gegenüber Placebo.

Eine Veränderung eines Blutwerts und eine Verringerung der Zahl von Schlaganfällen sind unterschiedliche Ergebnisse. Entscheidend ist, wer untersucht wurde, welches Präparat verwendet wurde und welche Endpunkte gemessen wurden.

Die untersuchte Dosis ist keine Empfehlung zur Selbstbehandlung. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf jeden Extrakt oder Gesundheitszustand übertragen.

Quellen: Kurosawa et al., 2015 · Hodis et al., 2021 – NAPS

04 · Warum wird K2 im Zusammenhang mit Gefäßen untersucht?

Vitamin K wird für die Aktivierung bestimmter Proteine benötigt. Dazu gehört das Matrix-Gla-Protein, das im Zusammenhang mit Kalkablagerungen in Gefäßen untersucht wird. Beobachtete Zusammenhänge beweisen nicht, dass ein Nahrungsergänzungsmittel Verkalkungen beseitigt.

Ein biologischer Mechanismus reicht nicht aus, um K2 als Behandlung der Atherosklerose zu empfehlen. Aussagen zur Wirksamkeit müssen auf klinischen Studien zur jeweiligen Form und Anwendung beruhen.

  • K1 (Phyllochinon) ist die wichtigste Vitamin-K-Form in der Ernährung und kommt vor allem in grünem Blattgemüse vor.
  • K2 (Menachinone) umfasst unter anderem MK-4 und MK-7. Quellen sind bestimmte fermentierte und tierische Lebensmittel.

Vitamin K ist an der Aktivierung von Proteinen der Blutgerinnung und des Knochenstoffwechsels beteiligt. „K1 nur für das Blut, K2 nur für Knochen und Gefäße“ ist zu stark vereinfacht.

Quellen: NIH ODS – Vitamin K

05 · Sicherheit und gesundheitsbezogene Aussagen sind zwei verschiedene Fragen

Die EFSA bewertete 2016 einen bestimmten fermentierten Sojabohnenextrakt, NSK-SD®, als neuartiges Lebensmittel. Die Sicherheitsbewertung bezog sich auf dessen definierte Zusammensetzung und die vorgeschlagenen Verwendungsbedingungen. Sie war kein Nachweis einer therapeutischen Wirkung.

In der EU sind für Vitamin K bei Erfüllung der Verwendungsbedingungen Aussagen zur normalen Blutgerinnung und zur Erhaltung normaler Knochen zugelassen. Daraus ergibt sich kein Versprechen, Gefäßablagerungen zu entfernen.

Rohstoffeigenschaften, Sicherheit und nachgewiesener gesundheitlicher Nutzen sind unterschiedliche Informationen.

Quellen: EFSA, 2016 – NSK-SD® · EU 432/2012

06 · Medikamente und sichere Anwendung

Nattokinase: Beginnen Sie bei einer Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder Thrombozytenaggregationshemmern, einschließlich regelmäßiger Aspirineinnahme, nicht eigenständig mit der Einnahme. Das Blutungsrisiko kann steigen. Auch bei Gerinnungsstörungen ist Vorsicht erforderlich.

Vitamin K1 und K2: Beginnen oder beenden Sie bei Warfarin oder anderen Vitamin-K-Antagonisten die Einnahme eines K1- oder K2-Präparats nicht ohne ärztliche Absprache. Eine gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr aus Lebensmitteln und Präparaten ist wichtig.

Informieren Sie vor einem Eingriff das medizinische Personal über alle Nahrungsergänzungsmittel. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei schweren Erkrankungen müssen das konkrete Präparat und seine Warnhinweise berücksichtigt werden.

Ersetzen Sie verordnete Medikamente nicht durch Nattokinase. Auch ein K2-freier Extrakt ist nicht automatisch sicher in Kombination mit Medikamenten, die die Gerinnung beeinflussen.

Quellen: NIH ODS – Vitamin K · Memorial Sloan Kettering – Nattokinase

07 · Welche Angaben auf dem Etikett sind wichtig?

  • Name und Menge des Extrakts: zur eindeutigen Identifikation des Inhaltsstoffs.
  • FU und Bezugsmenge: Aktivität pro Kapsel, Tagesportion oder Gramm unterscheiden.
  • K2 und weitere Inhaltsstoffe: Kombinationen haben eine andere Zusammensetzung als einzelne Extrakte.
  • Allergene und Warnhinweise: insbesondere Angaben zu Soja und zu Medikamenten beachten.
  • Anwendung und Lagerung: die aktuelle Verpackung des konkreten Produkts beachten.

Fehlen Angaben zur Aktivität oder zur Tagesportion, fragen Sie beim Hersteller nach. Werte eines anderen Präparats sind kein Ersatz.

08 · Häufige Fragen

Ist Nattokinase Vitamin K2?

Nein. Nattokinase ist ein Enzym; K2 bezeichnet Formen von Vitamin K.

Bedeutet mehr FU eine bessere Wirkung auf Gefäße?

Nicht automatisch. FU beschreibt die Enzymaktivität unter Prüfbedingungen, nicht den Umfang eines klinischen Nutzens.

Enthält jedes Nattokinasepräparat K2?

Das lässt sich aus dem Namen nicht erkennen. Maßgeblich ist die konkrete Zusammensetzung.

Bestätigt die EFSA-Bewertung eine therapeutische Wirkung?

Nein. Die zitierte Bewertung untersuchte die Sicherheit eines bestimmten Extrakts unter definierten Bedingungen.

Kann Nattokinase Warfarin oder Aspirin ersetzen?

Nein. Ersetzen Sie verordnete Medikamente nicht durch ein Nahrungsergänzungsmittel. Besprechen Sie Änderungen mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wo finde ich Informationen zu Quellen und Zufuhr von Vitamin K?

Im Fachüberblick NIH ODS – Vitamin K, der im Quellenverzeichnis aufgeführt ist.

Ist K1 nur für die Gerinnung und K2 nur für die Knochen zuständig?

Nein. Vitamin K ist an der Aktivierung mehrerer Proteine beteiligt. Diese Aufteilung ist zu stark vereinfacht.

Ist nachgewiesen, dass Nattokinase oder K2 Gefäßablagerungen entfernen?

Die hier genannten Quellen rechtfertigen dieses Versprechen nicht. Die NAPS-Studie zeigte keinen Vorteil hinsichtlich des Fortschreitens der subklinischen Atherosklerose. Biologische Mechanismen allein belegen keine Entfernung von Plaques oder Verkalkungen durch ein Präparat.

09 · Quellen und weiterführende Informationen

Ausgewählte Quellen; kein systematischer Überblick über sämtliche Studien.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Besprechen Sie die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Medikamenteneinnahme oder gesundheitlichen Beschwerden mit ärztlichem oder pharmazeutischem Fachpersonal. Ändern oder beenden Sie verordnete Behandlungen nicht aufgrund dieses Artikels.
Ing. František Kokoš
Autor: Ing. František Kokoš
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