Atherosklerose und Cholesterin: Wie Gefäßplaques entstehen
Atherosklerose und Cholesterin: Wie Gefäßplaques entstehen
Atherosklerose ist ein langfristiger Prozess in der Arterienwand, bei dem sich Gefäßplaques bilden. Beteiligt sind cholesterinhaltige Lipoproteinpartikel, Zellen der Gefäßwand und Entzündungsmechanismen.
Was bedeutet hohes Cholesterin, welche Symptome verursacht Atherosklerose und wie lässt sich Cholesterin senken? Wir erklären, wie Plaques entstehen, wie sie sich von Blutgerinnseln unterscheiden und was LDL-C, HDL-C, Non-HDL-Cholesterin, ApoB und Lp(a) aussagen. Blutwerte werden immer im Zusammenhang mit dem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko beurteilt.
01 · Atherosklerose: Was bedeutet „verstopfte Arterien“?

Atherosklerose ist ein chronischer Prozess in der Arterienwand. Dabei entsteht eine atherosklerotische Plaque. Es handelt sich nicht lediglich um eine Fettablagerung: Lipoproteine, Gefäßwandzellen, Immunreaktionen und weitere Risikofaktoren wirken zusammen.
Plaques können die Gefäßwand verändern und den Blutfluss einschränken. Auch eine Schädigung der Plaqueoberfläche mit anschließender Gerinnselbildung kann gefährlich werden.
„Verstopfte Arterien“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für verengte oder verschlossene Arterien. Eine Plaque bedeutet jedoch noch keinen vollständigen Gefäßverschluss.
Welche Symptome kann Atherosklerose verursachen?
02 · Wie entsteht eine Gefäßplaque?

ApoB-haltige Lipoproteinpartikel können in die Arterienwand gelangen und dort zurückgehalten werden. Darauf reagieren Zellen und Entzündungsmechanismen; die Plaque kann wachsen und ihre Zusammensetzung verändern.
Das Endothel reguliert zahlreiche Vorgänge zwischen Blut und Gefäßwand.
Besonders wichtig sind ApoB-haltige Lipoproteine.
Immunzellen reagieren auf zurückgehaltene Lipoproteine.
Zusammensetzung und Stabilität können sich verändern.
Makrophagen nehmen Lipide auf und können zu Schaumzellen werden. Eine Plaque kann Lipide, Zellreste und Bindegewebe enthalten. Ihre Entwicklung verläuft nicht bei jedem Menschen gleich.
Eine Plaque entsteht in der Arterienwand. An ihrer geschädigten Oberfläche kann sich ein Blutgerinnsel bilden, das den Blutfluss plötzlich einschränkt oder unterbricht. Es handelt sich nicht einfach um ein losgelöstes Stück Fett.
03 · LDL und HDL: „schlechtes“ und „gutes“ Cholesterin

Cholesterin ist eine notwendige Substanz im Körper. Da es sich nicht in Wasser löst, wird es im Blut in Lipoproteinen transportiert. Deshalb sollte man zwischen Cholesterin und seinen Transportpartikeln unterscheiden.
LDL und HDL sind Transportpartikel, keine unterschiedlichen Cholesterinarten. LDL-Partikel spielen eine ursächliche Rolle bei Atherosklerose. Ein höherer LDL-C-Wert erhöht das Risiko; ein hoher HDL-C-Wert hebt dieses Risiko nicht auf.
Die Senkung eines erhöhten LDL-C-Wertes ist ein zentrales Behandlungsziel zur Vorbeugung atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine andere Lipoproteingruppe. Ein hoher HDL-C-Wert bedeutet nicht automatisch ein niedriges Gesamtrisiko.
04 · LDL-C, Non-HDL-Cholesterin und ApoB
LDL-C bezeichnet die Cholesterinmenge in LDL-Partikeln. Non-HDL-Cholesterin umfasst das Cholesterin in allen Lipoproteinen außer HDL. ApoB ist ein Strukturprotein atherogener Partikel und hilft, deren Anzahl einzuschätzen.
Cholesterinmenge und Partikelanzahl können unterschiedliche Informationen liefern. Die ärztliche Beurteilung berücksichtigt deshalb das Gesamtrisiko.
Non-HDL-Cholesterin = Gesamtcholesterin minus HDL-C. Beide Werte müssen in derselben Einheit angegeben sein. ApoB liefert ergänzende Informationen zur Anzahl der Partikel.
Der LDL-C-Zielwert hängt vom Gesamtrisiko und bereits bestehenden Erkrankungen ab.
05 · HDL und erhöhte Triglyceride
Triglyceride sind weitere Blutfette. Erhöhte Werte können Teil eines ungünstigen metabolischen Risikoprofils sein. HDL-C wird häufig „gutes Cholesterin“ genannt, doch diese Vereinfachung hat Grenzen.
Entscheidend ist das Gesamtbild aus LDL-C, Non-HDL-C, Triglyceriden, gegebenenfalls ApoB und Lp(a), Blutdruck, Blutzucker, Rauchen, Alter, Familiengeschichte und bestehenden Erkrankungen. Das Herz-Kreislauf-Risiko lässt sich nicht an einer einzelnen Zahl ablesen.
06 · Lipoprotein(a) – Lp(a)
Lp(a) ist ein Lipoproteinpartikel, dessen Blutkonzentration überwiegend genetisch bestimmt ist. Die europäischen Empfehlungen berücksichtigen Lp(a), um das Herz-Kreislauf-Risiko genauer einzuschätzen.
Der Wert wird nicht isoliert beurteilt. Er ist besonders im Zusammenhang mit dem gesamten Risikoprofil und der Familiengeschichte relevant.
07 · Was erhöht das Atheroskleroserisiko?
Ein wichtiger beeinflussbarer Herz-Kreislauf-Risikofaktor.
Dauerhaft erhöhter Blutdruck steigert das Risiko.
Stoffwechselgesundheit und Gefäßgesundheit hängen eng zusammen.
LDL und andere ApoB-haltige Partikel sind wesentlich am Prozess beteiligt.
Nicht veränderbare Faktoren können bei der Vorsorge berücksichtigt werden.
Sie beeinflussen mehrere Stoffwechselrisiken gleichzeitig.
Familiäre Hypercholesterinämie: hohes Cholesterin trotz gesunder Ernährung
08 · Welche Untersuchungen werden eingesetzt?
Je nach Alter, Familiengeschichte und Gesamtrisiko werden Lipidprofil, Blutdruck, Blutzucker oder HbA1c, Nierenfunktion und weitere Werte beurteilt. In bestimmten Situationen werden ApoB oder Lp(a) ergänzt.
Bildgebende Verfahren werden gezielt eingesetzt. Bei ausgewählten Personen können bisher unbemerkte Atherosklerose oder Koronarkalk helfen, das Risiko und die Behandlungsentscheidung genauer einzuordnen.
Eine mikroskopische Aufnahme bestimmt weder LDL-C, ApoB noch Lp(a) und weist keine Plaque in einer Arterie nach. Blutfette werden im Labor untersucht; die Darstellung von Arterien ist eine eigene Untersuchung.
09 · Cholesterin senken: Ernährung und Bewegung
Die Vorbeugung beruht nicht auf einem einzelnen Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, sondern auf langfristigen Gewohnheiten.
Ungünstige Ernährung, Bewegungsmangel, Tabak und schädlicher Alkoholkonsum gehören zu den beeinflussbaren Risiken. Sie können mit erhöhtem Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und Adipositas zusammenhängen.
Ernährung bei hohem Cholesterin: Was begrenzen und wodurch ersetzen?
10 · Cholesterinsenker: Statine und weitere Möglichkeiten
Ob Medikamente nötig sind, entscheidet nicht nur ein einzelner Cholesterinwert. Berücksichtigt werden unter anderem das Gesamtrisiko, bestehende Atherosklerose, Diabetes, Nierenfunktion, Alter und die erreichten Blutfettwerte.
Statine reduzieren die Cholesterinbildung in der Leber. Weitere Möglichkeiten sind Ezetimib, das die Cholesterinaufnahme im Darm vermindert, PCSK9-Hemmer und Bempedoinsäure. Auswahl und Kombination richten sich nach Risiko und Behandlungsergebnis und gehören in ärztliche Hand.
Besprechen Sie Nebenwirkungen oder Fragen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Therapie lässt sich gegebenenfalls anpassen.
Lassen sich Gefäßplaques auf natürliche Weise entfernen?
11 · Anzeichen für Herzinfarkt und Schlaganfall
Plötzliche Brustschmerzen oder Druck auf der Brust, ausgeprägte Atemnot, eine plötzlich schwache Körperseite, Sprachstörungen, ein hängender Mundwinkel oder plötzliche Sehstörungen können Warnzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sein.
Rufen Sie sofort 112.
12 · Häufige Fragen
Ist Cholesterin schlecht?
Nein. Der Körper benötigt Cholesterin. Entscheidend sind seine Transportpartikel, deren Konzentration und das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko.
Ist LDL dasselbe wie Cholesterin?
Nicht genau. LDL ist ein Lipoproteinpartikel; LDL-C bezeichnet die darin enthaltene Cholesterinmenge.
Reicht ein hoher HDL-Wert aus?
Nein. HDL-C ist nur ein Teil des Lipidprofils und hebt Risiken durch hohes LDL-C, Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes nicht auf.
Was ist ApoB?
ApoB ist ein Protein auf atherogenen Lipoproteinpartikeln. Die Messung kann in bestimmten Situationen helfen, deren Anzahl genauer einzuschätzen.
Was ist Lp(a)?
Lipoprotein(a) ist ein überwiegend genetisch bestimmter Risikofaktor. Ein erhöhter Wert kann die Einschätzung des Gesamtrisikos verändern.
Kann ich Cholesterinsenker nach einer Ernährungsumstellung absetzen?
Ändern oder beenden Sie eine verordnete Therapie nicht ohne ärztliche Rücksprache. Der Behandlungsbedarf hängt von Gesamtrisiko und Gesundheitszustand ab.
Ist eine Plaque dasselbe wie ein Blutgerinnsel?
Nein. Eine Plaque entsteht in der Arterienwand. Ein Gerinnsel entsteht durch Blutgerinnung und kann sich auf einer geschädigten Plaque bilden und den Blutfluss plötzlich behindern.
Kann Atherosklerose ohne Symptome verlaufen?
Ja. Fehlende Beschwerden schließen die Erkrankung oder ein erhöhtes Risiko nicht aus. Untersuchungen und die persönliche sowie familiäre Krankengeschichte sind wichtig.
Welche Symptome verursacht hohes Cholesterin?
Meist keine. Erhöhte Werte werden durch ein Blutlipidprofil festgestellt. Sich wohlzufühlen schließt hohes LDL-Cholesterin nicht aus.
Wie lässt sich Cholesterin ohne Medikamente senken?
Günstigere Nahrungsfette, mehr lösliche Ballaststoffe, Bewegung und bei Übergewicht eine angemessene Gewichtsabnahme können helfen. Ob dies ausreicht, hängt von Werten und Risiko ab. Bei hohem Risiko oder erblichen Störungen sind oft zusätzlich Medikamente nötig.
Welche Cholesterinwerte sind normal?
Der LDL-C-Zielwert ist individuell und richtet sich nach Gesamtrisiko und bestehenden Erkrankungen. Der Laborreferenzbereich ist nicht automatisch das Therapieziel.
Können Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel Plaques entfernen?
Ernährung ist Teil der Vorbeugung und Behandlung, garantiert aber keine Plaqueentfernung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Gefäßreiniger. Ziel ist die Risikosenkung und Stabilisierung; manchmal ist unter wirksamer Behandlung auch eine teilweise Rückbildung möglich.
Wissenschaftliche Quellen
- [1] ESC/EAS (2025): Aktualisierung zur Behandlung von Dyslipidämien
- [2] ESC (2024): erhöhter Blutdruck und Hypertonie
- [3] WHO: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Warnzeichen
- [4] WHO: gesunde Ernährung
- [5] NHLBI: Atherosklerose und Komplikationen
- [6] EAS (2020): ursächliche Rolle von LDL bei Atherosklerose
- [7] ESC/EAS (2019): Lipidprofil, ApoB und Non-HDL-Cholesterin
- [8] NHLBI: Symptome der Atherosklerose
- [9] NHLBI: hohes Cholesterin und Symptome
- [10] NHLBI: Lebensstilmaßnahmen zur Cholesterinsenkung
- [11] NHLBI: Behandlung der Atherosklerose
- [12] NHLBI: Ursachen und Vererbung hohen Cholesterins
Wissensartikel: Dieser Text ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Besprechen Sie neue Beschwerden und auffällige Ergebnisse ärztlich. Ändern oder beenden Sie eine verordnete Therapie nicht aufgrund dieses Artikels.


