Harnsäure und Gicht: Ursachen erhöhter Werte, Symptome und Hyperurikämie
Harnsäure und Gicht: Ursachen erhöhter Werte, Symptome und Hyperurikämie
Erhöhte Harnsäurewerte verursachen häufig keine Beschwerden. Plötzlich auftretende starke Schmerzen, Rötung und Schwellung eines Gelenks können jedoch mit Gicht zusammenhängen. Was bedeutet Hyperurikämie, warum steigt die Harnsäure an und wann ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich?
Harnsäure ist ein natürlicher Bestandteil des Stoffwechsels. Probleme können vor allem entstehen, wenn ihre Konzentration über längere Zeit erhöht bleibt und sich Uratkristalle bilden.
Ein natürliches Stoffwechselprodukt
Sie entsteht beim Abbau von Purinen und wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden.
Ein erhöhter Wert
Die Harnsäure kann erhöht sein, ohne Beschwerden zu verursachen.
Uratkristalle
Bei Gicht lagern sich Uratkristalle im Gewebe ab und können eine heftige Gelenkentzündung auslösen.
Es geht nicht nur um Fleisch
Nierenfunktion, Genetik, Stoffwechsel, Alkohol, Fruktose, Medikamente und Körpergewicht spielen eine Rolle.
Was ist Harnsäure?
Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Diese sind natürliche Bestandteile unserer Zellen und werden auch mit der Nahrung aufgenommen.
Harnsäure gelangt ins Blut und wird größtenteils über die Nieren ausgeschieden. Ein kleinerer Anteil wird über den Verdauungstrakt ausgeschieden.
Warum können die Harnsäurewerte steigen?
- genetisch bedingt verminderte Ausscheidung von Harnsäure,
- eingeschränkte Nierenfunktion,
- Flüssigkeitsmangel,
- Übergewicht und zu viel viszerales Fett,
- Insulinresistenz und metabolisches Syndrom,
- hoher Konsum von Fruktose und zuckerhaltigen Getränken,
- Alkohol, insbesondere Bier und Spirituosen,
- Innereien und große Mengen bestimmter tierischer Lebensmittel,
- rascher Gewichtsverlust oder längeres Fasten,
- bestimmte Medikamente, beispielsweise einige Diuretika,
- Erkrankungen mit verstärktem Zellabbau.
Erhöhte Harnsäurewerte lediglich damit zu erklären, jemand habe „zu viel Fleisch gegessen“, ist daher zu stark vereinfacht.
Erhöhte Harnsäure bedeutet noch nicht Gicht
Erhöhte Harnsäurewerte ohne Gichtsymptome bezeichnet man als asymptomatische Hyperurikämie.
Gicht entsteht, wenn sich Mononatriumuratkristalle bilden und in Gelenken oder umliegenden Geweben ablagern. Das Immunsystem kann darauf mit einer heftigen Entzündung reagieren.
- plötzliche, sehr starke Schmerzen,
- Gelenkschwellung,
- Rötung,
- deutliche Überwärmung,
- außergewöhnliche Berührungsempfindlichkeit.
Am bekanntesten ist die Beteiligung des Großzehengrundgelenks. Gicht kann aber auch Sprunggelenk, Knie, Handgelenk, Finger oder Ellenbogen betreffen.
Lassen Sie ein neu aufgetretenes, plötzlich schmerzhaftes, heißes und geschwollenes Gelenk möglichst rasch ärztlich untersuchen, idealerweise noch am selben Tag. Warten Sie bei Fieber, Schüttelfrost oder allgemeinem Krankheitsgefühl nicht ab: Auch eine Gelenkinfektion ist möglich und muss dringend behandelt werden. Fehlendes Fieber schließt eine Infektion nicht aus.
Wie werden Hyperurikämie und Gicht festgestellt?
Eine Blutuntersuchung bestimmt den Harnsäurewert. Der Referenzbereich des Labors und der Behandlungszielwert bei Gicht sind nicht dasselbe. Das Ergebnis wird zusammen mit den Beschwerden, der Nierenfunktion und den eingenommenen Medikamenten beurteilt.
Während eines Gichtanfalls muss der Wert nicht erhöht sein. Besteht weiterhin ein Gichtverdacht, kann die Blutuntersuchung frühestens zwei Wochen nach Abklingen des Anfalls wiederholt werden. Bei unklarer Diagnose können die Untersuchung von Gelenkflüssigkeit auf Kristalle oder bildgebende Verfahren helfen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Hyperurikämie | Eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut; sie allein bestätigt keine Gicht. |
| Asymptomatische Hyperurikämie | Erhöhte Werte ohne Gichtbeschwerden. Eine harnsäuresenkende Behandlung wird nicht automatisch aufgrund eines einzelnen Laborwerts begonnen. |
| Gicht | Eine Erkrankung mit Ablagerung von Uratkristallen; sie kann mit Anfällen und schmerzfreien Phasen verlaufen. |
Was lässt sich bei erhöhten Harnsäurewerten beeinflussen?
Ernährungs- und Lebensstiländerungen können helfen, reichen bei bestätigter Gicht aber häufig nicht aus. Insbesondere bei wiederholten Anfällen oder Tophi (Kristallablagerungen) kann eine ärztlich geleitete Behandlung erforderlich sein. Keine Ernährungsweise und kein Nahrungsergänzungsmittel garantiert, dass Gicht verschwindet.
1. Auf eine angemessene Flüssigkeitszufuhr achten
Eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung unterstützt die normale Nierenfunktion und hilft, den Urin weniger konzentriert zu halten.
Bei Herz- oder Niereninsuffizienz muss sich die Trinkmenge jedoch nach der ärztlichen Empfehlung richten.
2. Zuckerhaltige Getränke und übermäßige Fruktosezufuhr begrenzen
Große Fruktosemengen können die Harnsäurebildung fördern. Sinnvoll ist daher insbesondere, Folgendes zu begrenzen:
- zuckerhaltige Limonaden,
- Energydrinks,
- Sirup,
- große Mengen zuckerhaltiger Getränke und konzentrierter Fruchtsäfte.
Obst enthält Wasser, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Polyphenole. Angemessene Mengen werden nicht genauso beurteilt wie Getränke mit viel zugesetztem Zucker.
3. Alkohol begrenzen
Alkohol kann das Risiko von Gichtanfällen erhöhen und die Harnsäureausscheidung beeinflussen. Besonders Bier kann problematisch sein.
4. Purinquellen überprüfen
- Innereien,
- große Portionen rotes Fleisch,
- bestimmte kräftige Fleischbrühen und Bratensoßen,
- Sardinen, Sardellen und bestimmte Meeresfrüchte.
Purinhaltige pflanzliche Lebensmittel stehen nicht im gleichen Zusammenhang mit dem Gichtrisiko wie Innereien, Alkohol oder zuckerhaltige Getränke. Deshalb sollten nicht pauschal alle Hülsenfrüchte und Gemüsearten gestrichen werden.
5. Gewicht langsam reduzieren
Bei Übergewicht kann eine allmähliche Gewichtsabnahme sinnvoll sein.
Dagegen können rasches Abnehmen, längeres Fasten oder eine ausgeprägte Ketose den Harnsäurewert vorübergehend erhöhen.
6. Nierenfunktion, Stoffwechsel und Medikamente überprüfen
Bei wiederholt erhöhten Werten kann die Ärztin oder der Arzt je nach Situation Folgendes beurteilen:
Setzen Sie verschriebene Medikamente nicht eigenmächtig ab.
Anfallsbehandlung und langfristige Harnsäuresenkung
Medikamente gegen die akute Entzündung lindern Schmerzen und Schwellungen. Eine langfristige harnsäuresenkende Behandlung verfolgt ein anderes Ziel: Werte aufrechtzuerhalten, die weitere Kristallablagerungen begrenzen. Die Medikamentenwahl hängt auch von der Nierenfunktion, anderen Erkrankungen und möglichen Wechselwirkungen ab. Ändern oder beenden Sie eine verordnete Behandlung nicht ohne ärztliche Rücksprache.
Welcher Zielwert gilt bei bestätigter Gicht?
Ein üblicher therapeutischer Zielwert bei harnsäuresenkender Gichtbehandlung.
Dieser Wert ist ein Behandlungsziel für Menschen, die wegen Gicht behandelt werden. Er ist keine allgemeingültige diagnostische Grenze, mit der sich Gicht anhand eines einzelnen Blutwerts feststellen lässt.
Was sollten Sie über Harnsäure wissen?
Harnsäure ist ein natürliches Produkt des Purinstoffwechsels. Ihr Vorhandensein allein ist kein Problem.
Ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch Gicht. Bei Gicht bilden sich Uratkristalle und lagern sich ab; sie können eine heftige Entzündungsreaktion auslösen.
Bei anhaltender Hyperurikämie ist es wichtig, Folgendes zu beurteilen: Nierenfunktion, Stoffwechselgesundheit, Körpergewicht, Alkohol- und Fruktosekonsum, Ernährung sowie eingenommene Medikamente und bei Bedarf eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Die Informationen dienen der Aufklärung. Ein plötzlich heißes, geschwollenes und schmerzhaftes Gelenk, wiederkehrende Gichtanfälle, Nierensteine oder dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte erfordern eine ärztliche Beurteilung.
Häufige Fragen
Bedeutet erhöhte Harnsäure automatisch Gicht?
Nein. Erhöhte Werte ohne Beschwerden bezeichnet man als asymptomatische Hyperurikämie. Gicht geht mit der Ablagerung von Uratkristallen und einer Entzündungsreaktion einher.
Welcher Zielwert gilt bei bestätigter Gicht?
Bei bestätigter Gicht liegt ein üblicher Behandlungszielwert unter 6 mg/dl, ungefähr unter 360 µmol/l. Dies ist keine allgemeingültige Grenze zur Diagnosestellung.
Ist ein heißes, geschwollenes Gelenk immer Gicht?
Nein. Eine Gelenkinfektion kann ähnliche Beschwerden verursachen. Ein neu aufgetretenes, plötzlich heißes, geschwollenes und schmerzhaftes Gelenk muss rasch ärztlich beurteilt werden, besonders bei Fieber oder allgemeinem Krankheitsgefühl.


