02. Glykation und Zellprozesse
02 · Glykation und Zellprozesse
Glykation ist eine chemische Reaktion, bei der sich Zucker ohne Mitwirkung von Enzymen an andere Moleküle, beispielsweise Proteine, bindet. Sie findet auch im gesunden Körper statt. Dauerhaft erhöhte Glukosewerte können sie jedoch beschleunigen.
Eine nichtenzymatische Reaktion.
Vielfältige fortgeschrittene Glykationsendprodukte.
Ein Maß für den längerfristigen Blutzucker.
Ein Mechanismus belegt keine Therapiewirkung.
Was geschieht bei der Glykation?
Zucker und reaktive Verbindungen, die im Stoffwechsel entstehen, können Proteine chemisch verändern. Aus frühen Reaktionsprodukten können durch weitere Reaktionen fortgeschrittene Glykationsendprodukte – AGEs (advanced glycation end products) entstehen. Dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen Stoff mit einheitlichen Eigenschaften.
Ihre Bildung und Anreicherung hängen von der Zeit, den Stoffwechselbedingungen, oxidativem Stress und der Fähigkeit des Körpers ab, geschädigte Moleküle zu verarbeiten und zu entfernen. Glykation ist daher nicht einfach eine Folge des Verzehrs von Süßigkeiten. [1]
Wie können AGEs das Gewebe beeinflussen?
Veränderung von Proteinen
Manche AGEs bilden Quervernetzungen zwischen Proteinen. Bei langlebigen Proteinen wie Kollagen können sie die Eigenschaften des Gewebes verändern.
Zelluläre Signalübertragung
Einige AGEs können über den Rezeptor RAGE wirken und an Signalwegen beteiligt sein, die mit Entzündungen und oxidativem Stress zusammenhängen.
Diese Mechanismen werden im Zusammenhang mit Alterung und Diabeteskomplikationen untersucht. Das Vorhandensein von AGEs allein begründet jedoch keine Diagnose und erklärt nicht sämtliche Krankheitsursachen. [1]
HbA1c: ein praktisches Beispiel für Glykation
Glukose kann sich auch an Hämoglobin in roten Blutkörperchen binden. Die Bestimmung von HbA1c – glykiertem Hämoglobin hilft, den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen etwa drei Monate einzuschätzen.
Sie misst weder alle AGEs im Körper noch das „biologische Alter“. HbA1c ist ein Produkt der Glykation von Hämoglobin und kein umfassendes Maß für Gewebeschäden.
AGEs entstehen auch bei der Zubereitung von Lebensmitteln
Hohe Temperaturen und trockene Hitze fördern die Bildung bestimmter AGEs. Die Menge hängt von den Zutaten, der Temperatur, der Zubereitungszeit und der Feuchtigkeit ab. Bei vergleichbaren Zutaten kann Kochen in Wasser oder Schmoren zu niedrigeren Gehalten führen als starkes Anbraten oder Frittieren. [3]
Der AGE-Gehalt eines Lebensmittels entspricht jedoch nicht der Menge, die aufgenommen wird und im Gewebe verbleibt. Die Farbe einer Speise oder ein einzelnes Lebensmittel reichen daher nicht aus, um das Gesundheitsrisiko zu beurteilen.
Was zeigen Studien am Menschen?
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 umfasste sieben randomisierte Studien zur Begrenzung von AGEs in der Ernährung bei Menschen mit Diabetes. Manche Ergebnisse deuteten auf günstige Veränderungen von Entzündungsmarkern und Markern für oxidativen Stress hin. Eine Verbesserung des HbA1c wurde in den eingeschlossenen Studien jedoch nicht nachgewiesen. [4]
Die Veränderung eines Laborwerts beweist allein nicht, dass eine Maßnahme das Leben verlängert oder Komplikationen verhindert. Die Ergebnisse lassen sich zudem nicht automatisch auf alle gesunden Menschen übertragen.
Was wird noch erforscht?
Untersucht werden die Begrenzung der AGE-Bildung, ihre Entfernung und die Beeinflussung der Signalübertragung über RAGE. Erkenntnisse über diese Mechanismen rechtfertigen jedoch keine Versprechen, ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel könne „glykierte Proteine beseitigen“ oder die Alterung umkehren. [1]
Häufige Fragen
Ist Glykation dasselbe wie hoher Blutzucker?
Nein. Glykation ist ein chemischer Prozess; der Blutzucker bezeichnet die Glukosekonzentration im Blut. Dauerhaft höhere Blutzuckerwerte können die Glykation beschleunigen.
Zeigt HbA1c alle AGEs im Körper an?
Nein. HbA1c misst den Anteil des glykierten Hämoglobins und hilft, den durchschnittlichen Blutzucker über etwa drei Monate zu beurteilen. Es misst nicht die gesamte Menge an AGEs im Gewebe.
Muss ich vollständig auf Kohlenhydrate verzichten?
Aus der Erklärung der Glykation ergibt sich keine Notwendigkeit, Kohlenhydrate vollständig auszuschließen. Bei Diabetes werden Ernährung und Behandlung individuell mit Fachpersonal abgestimmt.
Belegt ein glykationshemmender Effekt im Labor die Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels?
Nein. Ein Laborergebnis allein belegt weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit oder eine geeignete Dosierung beim Menschen.
Wissenschaftliche Quellen
Bei den Mechanismen stützen wir uns auf eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit. Bei Ernährungseffekten unterscheiden wir Lebensmittelanalysen von klinischen Studien.
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