03 · Chronische Entzündung und oxidativer Stress

KINGRAY AKADEMIE · ZELLEN UND STOFFWECHSEL
03 · Chronische Entzündung und oxidativer Stress
Entzündungen helfen dem Körper, auf Schäden zu reagieren. Reaktive Moleküle wirken auch an der Kommunikation zwischen Zellen mit. Probleme entstehen, wenn die Entzündungsaktivität unangemessen anhält oder die Redoxregulation gestört ist. Diese Prozesse hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
Eine Reaktion auf Infektionen oder Verletzungen, die zur Abwehr und zur Reparatur von Gewebe beiträgt.
Länger anhaltende Entzündungsaktivität. Ihre Bedeutung hängt von der Ursache und dem betroffenen Gewebe ab.
Eine Störung des Redoxgleichgewichts, die die Signalübertragung beeinflussen und Zellbestandteile schädigen kann.
Warum ist eine Entzündung nicht immer schädlich?
Entzündungen sind Teil der Immunabwehr. Bei einer Infektion oder Verletzung werden Immunzellen und Signalmoleküle aktiviert. Sobald der Auslöser bewältigt ist, sollte die Reaktion abklingen und das Gewebe repariert werden.
Bei chronischen Entzündungen hält die Aktivität an. Sie kann beispielsweise mit einer anhaltenden Infektion, einer gestörten Immunregulation oder Stoffwechselfaktoren zusammenhängen. Chronische Entzündung ist weder eine einzelne Krankheit noch eine universelle Ursache aller Beschwerden. [1]
Was bedeuten ROS und oxidativer Stress?
Reaktive Sauerstoffspezies, abgekürzt ROS, entstehen bei zellulären Prozessen und erfüllen auch physiologische Aufgaben. Sie helfen bei der Signalübertragung und tragen zur Abwehr von Mikroorganismen bei. Nicht alle ROS sind freie Radikale; Wasserstoffperoxid ist beispielsweise kein Radikal. [2]
Oxidativer Stress bezeichnet eine Verschiebung des Gleichgewichts zugunsten von Oxidantien, die die Redoxsignalübertragung und -regulation stört oder zu molekularen Schäden führt. Betroffen sein können Membranlipide, Proteine und DNA. Er bedeutet weder „zu viel Sauerstoff im Blut“ noch ein Gefühl psychischer Anspannung. [3]
Wie hängen Entzündungen und oxidative Prozesse zusammen?
Aktivierte Immunzellen können ROS bilden. Reaktive Moleküle beeinflussen wiederum Signalwege, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Das Ergebnis hängt vom Ausmaß, vom Entstehungsort und von der Dauer dieser Prozesse ab. [2]
Mitochondrien sind sowohl eine Quelle von ROS als auch ein Ort der Redoxregulation. Das bloße Vorhandensein von ROS bedeutet daher nicht, dass Mitochondrien fehlerhaft funktionieren. Das Ziel ist nicht, alle reaktiven Moleküle zu beseitigen.
Die eigenen Schutzsysteme der Zellen
Der Körper nutzt ein Netzwerk aus antioxidativen Enzymen und weiteren Molekülen. Dazu gehören Superoxiddismutase, Katalase und Glutathionperoxidasen. Entscheidend ist ihr Zusammenspiel, nicht allein die Menge eines einzelnen Stoffes. [3]
Glutathion ist ein natürlich vorkommendes Tripeptid aus Glutamat, Cystein und Glycin. Es ist an der Redoxregulation beteiligt und gehört zum System, das Peroxide abbaut. Seine Funktion in der Zelle belegt für sich genommen keine therapeutische Wirkung der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels.
Was wird erforscht und was lässt sich daraus ableiten?
Die Forschung untersucht chronische Entzündungsprozesse im Zusammenhang mit dem Altern und verschiedenen Erkrankungen. Ein Zusammenhang zwischen Entzündungsmarkern und einer Erkrankung erklärt jedoch für sich genommen nicht die Ursache der Beschwerden eines einzelnen Menschen. [1]
Bei Antioxidantien gilt nicht „je mehr, desto besser“. Eine Wirkung im Reagenzglas oder eine Veränderung eines Laborwerts belegt nicht automatisch eine Verbesserung der Gesundheit. Hohe Dosen einiger Antioxidantien können auch unerwünschte Wirkungen haben. [4]
Was ist im Alltag wichtig?
Zu den beeinflussbaren Faktoren gehören Bewegung, Ernährung, Rauchen und Schlaf. Eine abwechslungsreiche Ernährung, regelmäßige angemessene Bewegung, ausreichend Schlaf und Nichtrauchen bilden eine praktische Grundlage. Dies ist keine garantierte Methode, um Entzündungen „auszuschalten“; bei einer Erkrankung kommt es darauf an, ihre Ursache zu behandeln. [1]
Nahrungsergänzungsmittel ersetzen weder eine abwechslungsreiche Ernährung noch medizinische Versorgung. Die antioxidative Aktivität eines Stoffes ist kein Beleg dafür, dass ein Präparat Krankheiten vorbeugt oder sie behandelt. [4]
Häufige Fragen
Ist jede Entzündung schädlich?
Nein. Akute Entzündungen tragen zur Abwehr und zur Reparatur von Gewebe bei. Bei länger anhaltender Aktivität sind ihre Ursache und der medizinische Zusammenhang entscheidend.
Ist psychischer Stress dasselbe wie oxidativer Stress?
Nein. Psychischer Stress bezeichnet eine Reaktion auf Belastungen. Oxidativer Stress ist ein biochemischer Begriff für ein gestörtes Redoxgleichgewicht. Die Prozesse können zusammenhängen, dürfen aber nicht gleichgesetzt werden.
Sind alle ROS schädlich?
Nein. ROS erfüllen auch natürliche Signal- und Abwehrfunktionen. Ihre Wirkung hängt von ihrer Menge, ihrem Entstehungsort und der Dauer ihres Auftretens ab.
Bedeuten mehr Antioxidantien einen besseren Schutz?
Nicht automatisch. Ergebnisse aus Laborstudien lassen sich nicht direkt auf die Wirkung eines Nahrungsergänzungsmittels beim Menschen übertragen. Hohe Dosen einiger Antioxidantien können schädlich sein.
Wissenschaftliche Quellen
Chronic inflammation in the etiology of disease across the life span.
Fachübersicht zu Ursachen und Zusammenhängen systemischer chronischer Entzündungen.
Reactive oxygen species (ROS) as pleiotropic physiological signalling agents.
Übersicht über die physiologischen Funktionen von ROS und die Redoxsignalübertragung.
Oxidative stress: a concept in redox biology and medicine.
Erläuterung von oxidativem Stress und antioxidativen Abwehrsystemen.
Antioxidant Supplements: What You Need To Know.
Informationsübersicht zur Evidenz und zu Risiken antioxidativer Nahrungsergänzungsmittel. Abgerufen am 24. Oktober 2026.


